SCHLIESSEN

Auf einen Blick

Suche

Glaube

Losung des Tages

Friday, 30. October 2020

Sechs Tage sollst du arbeiten; am siebenten Tage sollst du ruhen.

mehr

„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16,33)

© Verlag Andere-Zeiten, Illustration: Günther Jakobs

Schock

Ein Zebra. 

Mitten auf der Straße.

Eigentlich nichts, wovor man sich fürchten wollte.

Aber die Größe! Die Größe macht‘s.

Und dass es einfach so quer hereinschießt.

Auch wenn man es erwarten konnte (am Zebrastreifen!)

Gänzlich unbekümmert marschiert es munter weiter. Das Zebra.

Stoppt den Lauf unseres Alltags. Legt alles lahm. Keiner kommt daran vorbei.

Man sollte lieber gebührend Abstand halten.

Manch einer sieht nur noch ein großes Schwarz und Weiß

und nicht mehr den Reisenden neben sich.

Überforderung. Angst. Wut.

Ein knallgelber Warnschuss?

Was für eine besondere Situation!

Wann geht es weiter? Und wie?

Von vorn kommt niemand entgegen, der erzählen könnte von dem, was danach kommt.

Wird das Tempo sich ändern, wenn alles vorbei ist?

Wird unser Weg ein anderer sein? Und werden wir dieselben sein?

Welch eine ungewisse, herausfordernde Zeit, in der wir gerade leben!

Voller Spannungen, Belastungen, Fragen und Sorgen.

Sie durchkreuzt den normalen Weltenlauf wie das Zebra auf dieser Karte.

Sie bringt uns zum Stillstand und fordert zugleich schnelle Entscheidungen.

Sie bringt uns aus der Balance und erfordert zugleich einen ruhigen Geist.

Lähmt unsere Gedanken und verlangt zugleich nach neuer Kreativität.

Manch einen macht sie krank, einsam, nimmt Menschen die Luft zum Leben.

Jeder sitzt in seinem Auto, seiner Wohnung, seinem Haus

und doch stehen wir allesamt gemeinsam vor demselben großen Etwas.

Es scheint wichtig zu lernen, Ungewissheit zu ertragen, gemeinsam, mutig, besonnen.

Leben ist immer lebensgefährlich. Und doch, es geht weiter.

Der Mut zur Ungewissheit ist ein Mut zur Angst. Ist Mut zur Frage. Mut zur Trauer. Mut zur Freiheit.

Jemand hat einmal gesagt, dass Freiheit die Einsicht in die Notwendigkeit ist.

Manche Krisen machen Maßnahmen notwendig, die quer stehen zu dem, was wir tun möchten.

Das zu erkennen und dem zu folgen, ist unsere Freiheit des Tages.

Der Mut zur Ungewissheit ist auch Mut zur Hoffnung.

Da schimmert ein Grün hindurch. Gestaltungsraum ist da.

Vielleicht werden wir uns sogar irgendwie und irgendwann zu sagen trauen,

dass die Krise uns zu etwas ganz Wertvollem geführt hat.

Einem neuen Bewusstsein? Vielleicht.

Eine Kursänderung? Wer weiß.

Eine tiefere Verbundenheit im Städtchen und weltweit – das wäre wunderbar!

Wir sind kompetent. Wir können einüben, wie wir auf eine solche Situation gerne reagieren würden.

Das führt uns aus der Ohnmacht heraus.

Wir sind nicht hilf-los. Und wir sind nicht allein.

Erinnern wir uns an das, was uns stark macht.

Erinnern wir uns an den, der sagt:

„Ich bin bei Euch. Alle Tage. Bis an der Welt Ende.“ (Mt 28,20)

Und

„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16,33)

Gott behüte Dich!

Gedanken von Pastorin Eva Sonny-Lagies

zu einer Postkarte herausgegeben vom Verlag Andere-Zeiten, Illustration: Günther Jakobs